Kirchspiel und Vogtei Bothfeld (1300 - 1907)

Kirchspiel und Vogtei Bothfeld Die Vogtei Bothfeld umfasste an die 600 Jahre lang die heutigen Stadtteile Bothfeld, Groß-Buchholz, Lahe sowie den ehemaligen Stadtteil Klein-Buchholz (seit 1979 auf Groß-Buchholz und Bothfeld aufgeteilt). Die Verwaltung und die politische Betreuung dieser kleinsten Verwaltungseinheit des Fürsten- bzw. Herzogtums Calenberg lagen in den Händen eines Vogtes; zunächst des Vogtes von Langenhagen, später des Vogtes von Bothfeld.

Das heutige Bothfeld: seit 1979 um Teile des ehemaligen Klein-Buchholz erweitert

Das flächenidentische, aber wesentlich ältere Kirchspiel Bothfeld wurde bis Mitte des 14. Jahrhunderts vom Pfarrer von St. Nicolai auch in weltlichen Angelegenheiten verwaltet. Erst danach übernahm der Vogt die weltlichen Aufgaben. Zu den Aufgaben des jeweiligen Vogtes gehörte unter anderem:

  • -die Amtsgrenze im Auge zu behalten und etwaige Grenzverstöße dem Amt zu melden
  • -Gefälle* zu erheben, die Gefällelisten zu führen, die Abschriften und die Abgaben an das Amt abzuliefern.
  • -Exekutionen vorzubereiten sowie vor und nach der Durchführung für Sicherheit und Ordnung zu sorge
  • -amtliche Schätzungen von Höfen, Häusern, Ländereien, aber auch für angerichtete Sachschäden vorzunehmen
  • -Streitigkeiten zwischen den Bewohnern zu schlichten auf Amtsbefehl Burgfestendienste**
  • -Arbeiten zum Bau und zur Instandhaltung von landesherrlichen und anderen Amtsgebäuden und deren Umgebung, Jagdfuhren, Treiberdienste u.ä. zu organisieren
  • -den Verkehr und den Zustand der Wege zu kontrollieren

Etwas verwittert hat der Grabstein des Bothfelder Vogtes Ludecke Wedemeyer die Jahrhunderte überdauert. Heutiger Standort: Turm der Nicolai-Kirche

Alle vier Dörfer der Vogtei lagen auf einer etwa drei Meter hohen Anhöhe ? eine Grundmoräne aus der zweiten Eiszeit ?, die sich von Süden nach Norden zieht und ihren höchsten Punkt dort aufweist, wo heute die Podbi den Mittellandkanal kreuzt. Dieser bescheidene Höhenunterschied ? was sind schon drei Meter verglichen mit dem bergigen Terrain südlich von Hannover ? war dennoch für die Besiedlung der Vogtei von entscheidender Bedeutung: Während die Flächen östlich und westlich der Anhöhe aus unwirtlichen Sumpf- und Brachlandschaften bestanden, überragte die eiszeitliche Erhöhung das benachbarte Niederungsgelände immerhin so weit, dass man trocken darauf wohnen und Äcker und Wiesen anlegen konnte.

Fußnoten:
Gefälle*:
Steueraufkommen, besonders für Grundstücke (ursprünglich in Form von Naturalien, die jährlich zu erbringen waren).

**Burgfestendienste:
Arbeiten zum Bau und zur Instandhaltung von landes-herrlichen und anderen Amts-gebäuden und deren Umgebung

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